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10.000 Mandanten über YouTube – wie ein Anwalt mit Story Telling zum Social Media Star wurde (Teil 2/4)

Ich sprach auf der Contra 2022 (Conversion and Traffic Conference) darüber, was es bedeutet, Anwalt im 21. Jahrhundert zu sein und welche große Rolle dabei die sozialen Medien spielen. Neben Teil 1, Teil 3 und Teil 4 geht es heute im zweiten Teil darum, möglichst geschickt den eigenen Content mit dem bezweckten Marketing zu verknüpfen, sich dabei eine „Community“ aufzubauen und was eine erfolgreiche YouTube-Präsenz denn eigentlich für eine Bedeutung für mich als Anwalt bzw. Kanzlei haben kann.

1. Marketing-Aspekt bei Content Marketing

Im letzten Teil habe ich gegen Ende beschrieben gehabt, wie wir im Rahmen des Content Marketings versuchen, in erster Linie unsere Zuschauer zu unterhalten anstelle von einem Werbungs-dominanten Auftreten im Internet. So baute ich m Laufe der Jahre eine beachtliche Zuschauermenge auf – schließlich den größten YouTube-Rechtskanal Europas.

Doch von Clicks alleine kann eine Kanzlei selbstverständlich nicht leben. Etwa in der Corona-Pandemie zeigt sich aber, wie man im Rahmen des Content Marketings dann doch noch zu der entsprechenden mandatsbezogenen Wirkung gelangt: An meine Zuschauer konnte ich etwa am Anfang des Videos, oder zwischendrin, oder ganz einfach als eingeblendetes Banner richten „Konntet ihr wegen der Pandemie nicht ins Fitnessstudio? Holt euch hier eure Beiträge zurück!“ Damit tausende von Menschen zu erreichen, die zuvor durch Kanzlei-Branding und unterhaltsamen Content nicht nur auf die Kanzlei aufmerksam gemacht worden waren, sondern sogar fast schon eine Fan-Base bildeten – dort ist die Hemmschwelle extrem gering, sich dann tatsächlich an unsere Kanzlei zu wenden!

Dies konnte ich dann über verschiedenste Formen (etwa den regelmäßig erscheinenden Newsletter oder Social Media Posts) streuen und weil ich den Traffic und die Bekanntheit bereits generiert hatte schlug das ein wie eine Bombe!

2. Content des Content Marketings

Doch was sind die Inhalte, die ich etwa gebracht habe?

Naja, zum Beipiel, wie man Piraten verteidigen könnte, die einen deutschen Öl-Tanker vor Somalia gekapert hatten! Diese Piraten waren beim Kapern des 100.000.000 Euro teuren Tankers festgenommen worden und nun wurden sie in Deutschland von Rainer Pohl verteidigt. Als Ikone der Strafverteidigung erstellte ich eine Serie mit ihm, wo wir etwa über solche Themen sprachen. Das interessierte die Leute, es war spannend, es war aus dem realen Leben und nicht eine trockene, juristische Kanzlei-Website, die gerade auf Laien eher abschreckend, fremd und eben langweilig wirken kann.

Im Rahmen des Story Tellings ist es daher essentiell, dass man ein Gespür dafür entwickelt, welche Themengut ankommen, interessieren und so ein immer größeres Publikum finden. Ein sehr authentisches Format, was auch sehr gut ankam, war die Vorstellung aktueller Fälle. Mit Mandanten absprechen ob man über den Fall reden darf, den entsprechenden Kollegen dazu holen und dann berichten über die Arbeit in der Kanzlei. Spannend gestaltet finden das die Leute hoch interessant, schließlich bekommt man nicht oft einen so authentischen, echten Einblick in eine Kanzlei. Und erneut schafft man damit natürlich auch eine gewisse Vertrautheit mit der Kanzlei und unserer Arbeit und erzeugt schlussendlich ein Vertrauen in uns.

3. Die Community

Wichtiger Bestandteil dabei ist natürlich die Community selber. Natürlich ist es am geschicktesten, die Zuschauer möglichst viel in den Content mit einzubeziehen. Wir haben das etwa gemacht indem wir uns stets die Reaktionen auf das neu erschienene Video angeschaut haben. Dabei lässt sich der ganz generelle Erfolg eines Videos an den Klick-Zahlen bzw. Likes messen. Aber wirklich hilfreich wird es vor allem, wenn man tiefer eintaucht und sich die Kommentare durchliest. Was sind Kommentare, die öfter vorkommen, oder aber die selber sehr häufig geliket wurden? Etwa über den Top-Kommentar kann man an neue Themen kommen; es ist dann so, als würde man die Community abstimmen lassen über ihre Wunsch-Themen zu denen sie ein Video von uns haben möchten. So bleibt man nicht nur in ständigem Austausch mit den Zuschauern sondern ach am Puls der Zeit bzw. der Trends.

Was zu Beginn der YouTube-Karriere auch gut geht: Schaut euch die Videos der Konkurrenz an. Welche Themen werden verwendet, wie wird der Content aufbereitet und was wird vielleicht weggelassen? Welche Videos der Konkurrenten kommen bei der Community dort gut an und was sagen die Fans zu den jeweiligen Videos? So kann man aus den Erfahrungen der Vorgänger lernen. Man sollte nicht die Videos direkt kopieren, aber das Thema nochmal zu drehen ist eine gute Idee, das wird auch ein zweites mal gut laufen! Diese Methode kann man wohl etwa bis zu 100.00 Fans anwenden – danach muss man selber den Standard setzen und eigene Themen an die Community bringen um sie an sich zu binden.

4. Specials

Was wir zudem gemacht haben, wenn wir Benchmarks erreicht haben (also zum Beispiel 100k Abos) ist, dass ich dann eine Woche lang mein Leben gefilmt habe. Das ist super lästig, denn man muss bei jedem Termin, bei jedem Weg zur Kaffeepause, am Flughafen, in der Bahn, morgens nach dem Aufstehen und einfach alles filmen! Das kennt man auf YouTube von Vloggern, die machen das ihr Leben lang, ich mache das so vielleicht alle 2 Jahre eine Woche lang als Abo-Special. Und diese Videos kommen extrem gut an! Man baut Nähe auf, zeigt Einblicke in den eigenen Alltag und hat dadurch eine gewisse Verbindung zur Community – aber gleichzeitig finde ich diese Videos extrem anstrengend zu produzieren! Deswegen gibt’s die immer als Geschenk für einen Meilenstein an die Community zurück.

5. Bedeutung von YouTube

Fast jeder weiß, dass Google die größte Suchmaschine der Welt ist. Aber die wenigsten wissen wirklich, dass YouTube die zweitgrößte ist! Nun betreiben Unternehmen und Kanzleien einen enormen Aufwand, um bei Google gut zu ranken. Suchmaschinen-Optimierer werden gekauft, diverse Analysen laufen täglich und stets will man möglichst weit vorne auftauchen. Ich fokussier mich darauf gar nicht; ich gehe voll und ganz auf YouTube. Dort bin ich bei einem generischen Begriff wie „Rechtsanwalt“ Platz 1, 2, 4 und 6. Bei Google unmöglich! Und je spezieller die Suchbegriffe werden, desto besser ranken dann natürlich auch die entsprechenden Videos. Mittlerweile gibt es immer mehr Rechts-Kanäle aber dennoch bin ich stets oben vertreten – und das eben bei der zweitgrößten Suchmaschine der Welt! Das bringt Aufmerksamkeit und wie oben beschrieben schließlich auch Mandanten.

Auch interessant ist ein guter YouTube-Auftritt auch für das Employer-Branding! Bedeutet, dass wir uns als Arbeitgeber gut darstellen können. An der Seite sehen, dass ich zum Beispiel ein Video mit unseren Rechtsanwaltsfachangestellten gemacht habe. Das ist unser größter Pain-Point gewesen, sozusagen das Sekretariat der Kanzlei gut zu besetzen. Es gibt leider immer weniger junge Leute, die diesen Ausbildungsberuf ergreifen möchten und dementsprechend schwierig gestaltet sich die Suche nach geeigneten Bewerbern. Durch unsere Videos haben wir uns aber nicht nur als Fachexperten bei Zuschauern einen Namen gemacht, sondern sind eben auch bei Menschen beliebt geworden, die in der Rechtsbranche arbeiten, oder mal arbeiten möchten. Nun zeigen wir, wie der Arbeitsalltag bei uns aussieht und machen somit quasi Werbung für neue Bewerber. YouTube schlägt hier zwei Fliegen mit einer Klappe für uns! Hier geht es zu Teil 1, Teil 3 und Teil 4.

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