Ich sprach auf der Contra 2022 (Conversion and Traffic Conference) darüber, was es bedeutet, Anwalt im 21. Jahrhundert zu sein und welch große Rolle dabei die sozialen Medien spielen. Neben Teil 1, 2 und 4 geht es heute in Teil 3 darum, welche geplanten und welche unerwarteten Vorteile eine Social-Media-Präsenz haben kann und um das richtige Verhältnis von lang- und kurzlebigem Content.

1. Recruiting via Videos
Im letzten Abschnitt habe ich dargestellt, welche große doppelte Bedeutung YouTube für uns hat. Allein im Bereich Recruiting hilft uns YouTube super: Indem wir bei der Stellenanzeige für Rechtsanwaltsfachangestellten ein Video geschaltet haben, in dem sich eine unserer Mitarbeiterinnen vorgestellt hat und einen Tag lang das Umfeld und typische Aufgaben gezeigt hat, konnten wir die Zahl der Bewerbungen mehr als verdoppeln. Die Interessierten konnten sich angucken, wie wir so drauf sind, schließlich verbringt man dann den ganzen Arbeitstag gemeinsam.
Solche Videos sind dabei viel wirksamer als Image-Videos. Das war ein sehr aufwendig und kostspieliges Video, indem wir uns möglichst gut dargestellt haben – ein bisschen quasi ein Angebe-Video. Das hat aber viel weniger Zuschauer angesprochen, als Videos, in denen wir uns einfach ganz natürlich und nahbar zeigen, wie wir eben sind. Natürlich kann das unterschiedlich sein und ein Image-Video ist schon mal besser als gar nix!
2. Aktuelle Reaction-Videos
Wir haben für unseren Kanal dabei einen festen Ablaufplan, wann welche Art von Video hochgeladen wird. So wissen die Zuschauer ganz genau, wann wieder eine bestimmte Rubrik drankommt und warten darauf. Derzeit laden wir 7 Videos pro Woche hoch, was für mich natürlich schon hart ist, jeden Tag ein Video zu drehen neben all den anderen Sachen. Besonders stressig sind Reaktinen auf tagesaktuelle Themen.
Am Tag vor der Contra kam zum Beispiel eine Urteilsanalyse zu Johnny Depp vs. Amber Heard, am Abend der Contra ein Update-Video zu Fynn Kliemann und am Tagt danach ein Video dazu, dass Jan Bömermann aufgedeckt hat, dass die Polizei gar nicht auf Online-Anzeigen reagiert. Das waren alles brandneue Themen, die ich in der Nacht vor der Contra drehen musste, damit ich am Puls der Zeit bleiben kann und stets aktuelle Videos habe. Auf News aus allen möglichen Bereichen muss ich dann immer sehr schnell reagieren.



3. Evergreen
Normalerweise ist das aber etwas entspannter und nicht so hektisch, denn nicht jedes Video muss oder sollte gar ein aktuelles Thema beinhalten. Abgesehen von denen ist bei den Top 10 unserer gesamten Videos immer sehr stark das Thema „Polizei“ vertreten, also etwa „Was darf die Polizei bei einer Verkehrskontrolle eigentlich machen?“ oder ähnliches. Das besondere an solchen Videos? Sie sind sogenannte Evergreens, weil sie nicht nur einem aktuellen Thema oder Hype angehören, sondern auch locker 2 Jahre nach dem Upload oder länger Zuschauer interessieren. Wenn man es schafft, Evergreens in seiner Sektion zu setzen, dann hat man sozusagen schon gewonnen. Das ist aber natürlich sehr viel schwieriger, als eine Reaktion auf ein aktuelles Thema.
4. Groß-Mandate
Eine fast schon lustige Begebenheit kam auf als ich meiner Frau einen Thermomix schenkte und feststellen musste, wieviel die Chips für Rezepte kosten. Als ich dann im Internet schaute und tatsächlich gehackte Chips zum Verkauf fand fragte ich mich sofort, ob das denn rechtens wäre. Ich drehte ein Video darüber und machte klar, dass es sogar eine Straftat darstellen würde – und am nächsten Tag bekam ich einen Anruf vom Hersteller. Sie hatten mein Video gesehen und wollten zu dieser Thematik, aber auch zu anderen Anliegen von uns beraten werden. So bringt YouTube unserer Kanzlei nicht nur zahllose kleine Aufträge über etwa Facebook-Massenverfahren rein, sondern auch immer wieder (Groß)Mandate, die sich nach Stunden abrechnen lassen. Vorteil in unserer Position als Kanzlei im Medien-Rechtsgebiet ist auch, dass die Medien-Konzerne merken, dass wir uns selber anscheinend ganz gut mit Social-Media und Marketing über Medien auskennen und dadurch natürlich das Vertrauen von ihnen gewinnen können, indem wir ihnen zeigen, dass wir uns in ihrem Feld auskennen – sogar selber so erfolgreich sind. Hier geht es zu Teil 1, Teil 2 und Teil 4.
