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Automatisierung von Recht: Werden Rechtsanwälte bald durch KI ersetzt?

KI wird heutzutage in vielen fachlichen Zusammenhängen erwähnt. Es gibt unzählige Ideen und Fragen bezüglich der Technologien. Wir wollen heute beantworten, ob KI zeitnah so weit entwickelt werden kann, dass Rechtsanwältinnen und Rechtsanwälte ersetzt werden. Dafür müssen wir zunächst die Funktionsweise verstehen. Darauf aufbauend kann man je nach Art von Sachverhalten beurteilen, welche Aufgaben sinnvoll von KI bearbeitet werden kann. Abschließend beantworten wir, ob Sprache als das wichtigste Mittel der Juristen von einer KI „verstanden“ werden kann und wägen die Vor- und Nachteile ab.

1. Wie funktioniert KI?

Falls du unseren Techpresso nicht ließt, kommt hier noch einmal eine kurze Definition künstlicher Intelligenz. Einen eindeutigen Begriff gibt es bisher nicht, da das Feld technologisch zu weit gefasst ist. Daher ist es sinnvoll die populärste Technologie vorzustellen, nämlich die des maschinellen Lernens. Die Funktionsweise ist ebenso simpel wie genial: Einem Algorithmus wird zu Beginn eine kleine Menge an Daten vorgelegt, bei denen das gewünschte Ergebnis bereits markiert ist. Anschließend wird ein großer Trainingsdatensatz zum Lernen bestimmter Muster eingespeist. Technisch gesehen bestimmt der Algorithmus durch das Durchrechnen bei dem Training, welche Variablen in den Trainingsdaten am stärksten mit dem zu Beginn programmierten Ergebnis passen. Der Algorithmus kann anschließend aus dem erlernten Muster ähnliche Probleme wie die bereits trainierten Datensätze lösen.

2. Welche Arten von Sachverhalten können bisher mithilfe von KI bearbeitet werden?

Für die Beantwortung dieser Frage ist es sinnvoll, die Sachverhalte nach Komplexität und Rechenanteil zu bewerten. Beginnen wir mit Sachverhalten mit hohem Rechenanteil und niedriger Komplexität, also einem geringen Anteil umweltbezogener und realer Informationen. Solche werden bisher bereits flächendeckend genutzt, beispielsweise in der Steuerverwaltung, in Form der bloßen Informationsbereitstellung oder einfacher Chat-Bots. Letztere können zur routinemäßigen Rechtsberatung kleiner und einfacher Sachverhalte eingesetzt werden. Auch fallen Apps unter diesen Typ, die beispielsweise bei der Erstellung eines Testaments durch programmierte Kommentare bei der Entscheidungsfindung und Umsetzung helfen. Solche Systeme funktionieren schnell, sicher und ersparen viel Arbeitszeit und Kosten. Funfact: In Los Angeles wird in der öffentlichen Verwaltung bereits ein Gerichtsroboter namens „Gina“ eingesetzt. Diese Software beantwortet Fragen zum Straßen- und Ordnungswidrigkeitenrecht und bearbeitet so mehrere tausend Anliegen pro Woche.

Weiter geht es mit Sachverhalten hohen Anteils realer Informationen. Gemeint sind vor allem Beratung- und andere Serviceleistungen. Entgegen manchen Sciencefiction-Filmen kann menschliches Verhalten bisher nicht authentisch und sehr kostenintensiv imitiert werden. Gerade in der Kanzlei darf nicht unterschätzt werden, dass das Vertrauen des Klienten in den Menschen wesentlich höher ist als in Technik. Letztlich bleiben noch Sachverhalte hoher Komplexität. Solche können durch Machine Learning aufgrund ihrer abwechslungsreichen Gestaltung nicht erlernt werden. Die Algorithmen können nur den Beispielfällen sehr ähnliche bzw. gleiche Sachverhalte bearbeiten – und wie jeder Jurist weiß kommt es schließlich allzu oft auf den Einzelfall an. Einer der wenigen Anwendungsfälle ist die Feststellung von Abweichungen von Standardverträgen. Sind diese Abweichungen in einem ersten Schritt festgestellt, dürften Menschen jedoch nach wie vor die Schwierigkeiten bearbeiten. Auch denkbar ist es langfristig, komplexe Sachverhalte in viele kleine Abschnitte zu unterteilen und sie dann je nach Möglichkeit bearbeiten zu lassen.

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3. Kann KI Sprache wirklich verstehen?

Das erste Problem an der Erfassung von Sprache ist, dass Wörter im Gegensatz zu Zahlen einen Interpretationsspielraum aufweisen. Dieser Spielraum, die Bedeutung eines Wortes, müsste in die Struktur einer KI eingebettet werden. Solche Systeme werden ‚Natural Language Processing‘ genannt und arbeiten oft mit der Methode des Deep Learnings. Die Methode zeichnet sich dadurch an, dass Daten der Anordnung von Informationen in unserem Gehirn nachgebildet ist. Solche künstlichen neuronalen Netzwerke müssten mehrere Ebenen haben, um allein die Bedeutungsbreite eines Wortes erfassen zu können. Weiterhin müssten die Ebenen untereinander so vernetzt sein, dass die Worte in ihrer Aneinanderreihung einen sinnvollen Output erzeugen können. Es ist wichtig zu wissen, dass Technologien der Künstlichen Intelligenz nicht in dem Sinne verstehen können, wie wir Menschen Dinge verstehen. Denn Wörter werden lediglich mit Zahlen abgebildet und können in ihrer Bedeutung erfasst, jedoch nicht aus eigener tatsächlicher Intelligenz aufgenommen, wiedergegeben und weiterverwendet werden.

4. Vorteile und Nachteile von KI

Vorteile liegen einerseits in der Effizienz und Produktivität der Systeme. Es können sowohl Zeit als auch Kosten gespart werden und die menschlichen Ressourcen werden für weniger repetitive Aufgaben frei. Ein weiterer Anreiz besteht in der Genauigkeit durch Automatisierung. Menschen können logische Fehler machen, wovon ein Algorithmus grundsätzlich nicht betroffen ist. Er wird auch nicht müde oder krank und braucht auch keinen Urlaub. Jedoch können KIs diskriminieren. Denn um ein einwandfreies Machine-Learning-System zu erschaffen bräuchte man Trainingsdatensätze, die vollkommen diskiminierungsfrei sind. Jedoch kämen diese Daten von Menschen, welche Fehler machen und, sei es bewusst oder unbewusst, auch diskriminieren.

Weitere Herausforderungen sind wie bereits oben beschrieben die Maßarbeit, die bei der Bearbeitung von Sachverhalten gefragt ist. Sobald ein Sachverhalt aus der Norm fällt kann der Algorithmus diesen nicht mehr bearbeiten. Ein weiteres technisches Problem ist die Intransparenz von Machine-Learning-Systemen. Und auch die menschliche Kompinente ist nicht zu unterschätzen. Anwälte beraten schließlich nicht nur, sondern stehen für ihre Mandanten ein und sind kreativ. All diese Komponenten und Vorteile des menschlichen Verstands können in absehbarer Zeit nicht ersetzt werden. Zusammengefasst gibt es bereits einige sinnvolle Anwendungen, die Juristen bei ihrer Arbeit unterstützen können. Mit einem vollständigen Ersetzen ist noch nicht zu rechnen, da die Nachteile bei der Anwendung auf Sachverhalte komplexerer Natur zu groß sind. Als Ergänzung zu den menschlichen Fähigkeiten kann KI jedoch hilfreicher Assistent sein.

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5. Was haben wir gelernt?

Wie funktioniert KI?

Die für das Lösen von juristischen Sachverhalten am meisten eingesetzte Technologie wird Machine Learning genannt. Ein Algorithmus wird dafür mit einem Trainingsdatensatz auf das Lösen einer vorgegebenen Variable geschult und kann solche dann selbstständig bearbeiten.

Welche Arten von Sachverhalten können bisher mithilfe von KI bearbeitet werden?

Sachverhalte mit hohem Rechenanteil und niedriger Komplexität können bisher am sichersten eingesetzt werden. Sachverhalte mit einem hohen Anteil realer Informationen werden in absehbarer Zeit nicht sinnvoll durch KI ersetzt werden können. Ähnlich steht es mit Sachverhalten hoher Komplexität, welche gerade wegen des Ausnahmecharakters vieler juristischer Fälle nicht sicher und zu verlässig gelöst werden können. Es ist jedoch eine Zerstückelung der Falllösung in Einzelteile mit jeweiliger Unterstützung einer KI anzudenken.

Kann KI Sprache wirklich verstehen?

KI kann die Bedeutung von Wörtern nicht verstehen. Die Bedeutung kann höchstens durch mehrschichtige Deep-Learning-Systeme wie ein neuronales Netzwerk aus Daten aufgebaut werden. Jedoch gibt es für das sichere Verstehen viele Probleme, wie beispielsweise den Interpretationsspielraum von Wörtern sowie den Auslegungsspielraum vieler juristischer Normen.

Was sind die Vor- und Nachteile von KI?

Vorteile liegen in der Effizienz und der Genauigkeit. Nachteile liegen in dem Potenzial nicht-diskriminierungsfreier Algorithmen, dem Umgang mit abweichenden Sachverhalten und dem fehlenden menschlichen Feingefühl.

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