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Digitalisiere oder stirb!?

Es kommt heutzutage ganz darauf an, in welcher „Bubble“ man sich befindet – das gilt auch in der Rechtsbranche. Es gibt Umfelder in denen man den Eindruck bekommt, man hätte die Branche zum Ingeneurwesen gewechselt, eine Zeitreise erfunden und wäre zumindest in die Mitte des letzten Jahrhunderts gesprungen. Fax, Papier und Füllfederhalter. Es ist ein gewisser Flair damit verbunden, doch nach dem 21. Jahrhundert sieht es nicht aus.

Dann wiederum gibt es Unternehmen, Verbände und Initiativen die den Anschein erwecken, dass es doch schon wirklich viel Digitalisierung gibt. Sei es hoch entwickelte und enorm effiziente Software, neue Gesetzesregelungen oder der nicht überhörbare Ruf nach Veränderung – für immer mehr Menschen im Rechtsbereich wird Legal Tech ein wichtiger Bestandteil ihres Lebens. Doch ist dies denn unausweichlich?

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1. Das Aufeinandertreffen der „Bubbles“

Doch was passiert nun, wenn etwa jemand aus dem konservativem Bereich einen Schritt auf die andere Gruppe zu machen möchte? Bei so viel Forderung und oft auch Frust über veraltete Zustände, kann es abschreckend wirken und leichter, bei dem alten System zu bleiben. Gibt man den kleinen Finger, wird sonst vielleicht gleich die ganze Hand genommen und man wird in eine digitale Welt gezwungen, in die man sich eigentlich nie so tief hineinwagen wollte.

Es ist wichtig, dass genau aus diesem Grund, die öffentliche Debatte über Digitalisierung offen und zweiseitig gestaltet wird. Oft wird einfach behauptet „Tech or Die!“ („Digitalisiere oder stirb!“). Aber ist dies ein reiner Schlachtruf der Reformsuchenden, oder wie viel Wahrheit steckt dort wirklich drin?

2. Der jetzige Stand – ein Überblick

Momentan vollzieht sich ein Umbruch. Während etwa Großkanzleien sich als digitale Vorreiter darstellen, dringen technische Neuerungen allgemein überall vor. Sei es Kommunikation per E-Mail, eine Internet-Seite der kleinen Kanzlei oder das beA – ganz so veraltet, wie das oben skizzierte Bild sieht es in den meisten Büros nicht mehr aus. Die ersten, vergleichsweise einfachen und konsequenzenarmen Schritte dürfen mittlerweile beinahe überall gemacht worden sein. Sie haben viele Vorteile, sind aber dennoch nur kleinste Veränderungen und beinahe schon eher Alltagsdigitalisierung. Ein Telefon mit Drehscheibe durch eines mit Tasten zu ersetzen wird wohl heute nicht mehr direkt mit „Digitalisierung“ verbunden. Es wird eher als notwendig angesehen, ein kleinstes Maß an „moderner“ Technologie zu verwenden.

3. Muss ich denn heutzutage per Mail kommunizieren?

Diese Frage stellt sich zurecht; nicht jeder Trend muss mitgemacht werden. Und doch gibt es wohl im Jahr 2022 eine allgemein anerkannte Erwartungshaltung bezüglich technischer Ausstattung. Es mag sein, dass je nach Umgebung und Lage sowie Zielgruppe eine Kanzlei einigermaßen gut per Brief mit ihren Klienten kommunizieren kann. Mit Gerichten wird das spätestens demnächst schon deutlich schwieriger werden.

Und es stellen sich natürlich neben ökologischen Bedenken auch Fragen wie „Wieso sollte man keine Mail benutzen?“. Sei es aus Sicherheitsbedenken oder aus tatsächlich mangelnder Technologie-Kenntnis – es mag der Fall sein, dass eben noch nicht jeder ein Mail-System nutzt, weder privat, noch im Rechtswesen. Selbstverständlich ist es so schwieriger, in einem Archiv nach einem Stichwort zu suchen oder andere moderne und doch schon allgemein verbreitete Vorteile zu nutzen.

Gleiches gilt bei einer eigenen Website. Es kann sicher möglich sein, durch Mund-zu-Mund-Propaganda und Bestands-Klienten auch heute noch auf eine Website zu verzichten. Doch spätestens in den nächsten Jahren wird es schwierig, Menschen zu erreichen, deren erster Reflex das Internet geworden ist oder gar schon von immer war. Ändert sich das Verhalten der Zielgruppe zu drastisch muss man wohl mitziehen. Bei solchen „Basics“ darf man also wahrscheinlich zurecht rufen „Tech or Die!“.

4. Aber was ist mit dem nächsten Schritt?

Muss ich deshalb aber auch mein Büro mit Webcam-Laptops, Head-Sets und einer Video-Call-Infrastruktur ausstatten?

Tatsächlich ist die Antwort hier wohl gar nicht so anders. Gegen Ende einer Pandemie mit Home-Office etc. sind Video-Calls als Team-Meeting keine Seltenheit sondern wohl eine Selbstverständlichkeit für viele geworden. Dies war zwar oft ein gezwungener Schritt und doch hat ihn vielleicht nicht jeder gleich beherzt umgesetzt. Nun zeigt sich aber, dass auch hier nicht hinter der Konkurrenz zurückgeblieben werden kann, um weder Flexibilität noch Effizienz und Attraktivität in einer immer digitaleren Welt zu verlieren.

5. Gut, aber hört es dann jetzt auf?

Hierauf gibt es natürlich keine eine Antwort. Doch das oben dargestellte Prinzip trifft wohl auch hier zu: Nicht ohne Grund setzt sich die Digitalisierung immer weiter durch. Und auch wenn man sicher sich nicht todesmutig an die vorderste Front stürzen muss, sollte man auch nicht zu lange zögern oder gar denken, man könne sich vor ihr verstecken. Die Zeit- und Kostenersparnis wird langfristig tatsächlich zum langsamen Verschwinden derer führen, die sie nicht nutzen. Ob das früher E-Mail und Website waren oder nun Video-Calls und Anwaltssoftware – am Ende führt technologischer Fortschritt wie auch schon bei der Industrialisierung dann eben doch tatsächlich zumindest in diesem Sinne zur Konseqenz „Tech or Die!“.

Denn wenn auch manche kurzzeitige Trends sich vielleicht im Sand verlaufen werden – den Fortschritt aufzuhalten ist etwas ganz anderes. Dies ist ein langsamerer Prozess, als der kämpferische Schlachtruf es vermuten lässt, aber sich deshalb weniger schnell mit dem Thema zu beschäftigen hat wohl dann doch die gleichen fatalen Folgen.

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