Skip to main content

KI im Abi führt zur Abschaffung von Noten?

Es ist der klassische Hype-Effekt: Seit November dominiert ein Thema die gesamte (Tech-)Welt und zwar Künstliche Intelligenz. Und so kommt es, dass vieles auch gerne mehr aufgebauscht wird, als eigentlich nötig. Einerseits werden Fähigkeiten der KI gerne überschätzt und andererseits auch Horror-Szenarien gezeichnet, die vielen Menschen große Angst machen. Aus dieser Angst heraus kommen viele unüberlegte und voreilige Forderungen. Genauso klingt nun die Forderung des bayrischen Lehrer- und Lehrerinnen-Verbands (BLLV), das Notensystem in Schulen abzuschaffen, nachdem es beim Abitur in Hamburg zu Betrugsversuchen mit dem KI-Chatbot ChatGPT kam. Was ist dran?

Hellgraue Box mit Inhaltsverzeichnis und Anker

1. Der Hintergrund

Wie nun bekannt ist, gab es bei den Abiturprüfungen in Hamburg nicht nu einen sondern gleich mehrere Vorfälle von Täuschungsversuchen in Verbindung mit ChatGPT. Darüber hinaus bestehen auch noch zahlreiche Verdachtsfälle in ganz Deutschland. Es ist einerseits erstaunlich, wie zahlreich auf den Chatbot zurückgegriffen wurde und andererseits aber auch fast schon zu erwarten gewesen. In den letzten Monaten häufen sich Selbstversuche von Schülern oder Fernsehsendungen, die Lehrern heimlich ChatGPT-geschriebene Texte als eigene unterschummeln und der Lehrer es nicht bemerkt. Also warum dann nicht einen perfekten Aufsatz für das Geschichts- oder Deutsch-Abi vorschreiben lassen und dann gemütlich in mehreren Stunden abschreiben?

Kostenlosen Demotermin buchen

Lernen Sie die Funktionen und Einsatzmöglichkeiten der cloudbasierten Anwaltssoftware Legalvisio kennen! Jetzt registrieren und wir kontaktieren Sie, um einen Demotermin zu vereinbaren.

Demotermin buchen oder +49 228 28679390

2. Das Problem

Geschummelt wurde im Abi wohl schon immer. Doch im Gegensatz zu normalen Papier-Spickzetteln geht es nu um ein völlig neues Niveau. Der Auftrag an den Chatbot lässt sich präzise auf die Aufgabenstellung anpassen: Schreibstil, Länge der Beantwortung, genaue Worte, die vorkommen sollen. Eine typische Aufgabe wie “ Analysieren Sie den Textausschnitt von Autor X im Hinblick auf verwendete Sprachtechniken“ oder „Beschreiben Sie den Verlauf des zweiten Weltkriegs aus Sicht Frankreichs in 500 Worten“ lässt sich problemlos auf 15-Punkte-Niveau oder 1er-würdig beantworten und das in Sekunden.

3. Die vorgeschlagene Lösung

Nun fordert der BLLV tatsächlich die Abschaffung des klassischen Notensystems. Es sei ohnehin nicht zeitgemäß, die individuellen Leistungen anhand von Zahlen zu bewerten. Im späteren Berufsleben seien ausformulierte Zeugnisse oder Assessments sowieso die gängige Beurteilungsmethode. Eine reine Note hätte keine fachliche Aussagekraft und sei oftmals auch noch Geschmackssache. Soweit so gut… Und durch den vermehrten Einsatz von KI-Tools in Klausuren und im Abi könnte man nun nicht mehr unterscheiden, was vom Schüler und was von der KI geschrieben wurde! Daher solle man gleich ganz die Benotung lassen und lieber bewerten, wie gut ein Schüler die Aufgabe beantwortet hat, unabhängig davon, ob der etwa ChatGPT verwendet hat oder nicht.

4. Die Kritik und die Zustimmung

Dieser Vorschlag stößt auf Widerspruch. Oft gesagt wird etwa, dass in Hamburg einfach bessere Handykontrollen hätten stattfinden müssen. Und das stimmt wohl, denn ob nun mit Google oder ChatGPT geschummelt wird ist ja egal. Entscheidend ist, dass keine Handys in Prüfungen erlaubt sind und damit erledigen sich beide Probleme. Eine allgemeine Abkehr von Noten aufgrund von Betrugsversuchen ist wohl keine verhältnismäßige Reaktion.

Doch es liegt auch Wahres in dem Vorschlag: Das Schulsystem darf nicht den Anschluss verlieren. Es wäre ironisch, wenn in der Freizeit und Arbeitswelt alles möglichst effizient durch KI-Hilfe erledigt wird, aber in der Schule es ein Tabu-Thema ist.

Lesen Sie mehr in unserem Newsletter

5. Der Kompromiss

Ein Kompromiss muss her und der wird wahrscheinlich eine allgemeine Debatte in der Bevölkerung sein. Es muss sich mit dem Thema auseinandergesetzt werden und die Gesellschaft muss das Umgehen damit festlegen. Richtig ist: Noten sind oft nichtssagend und unfair. Und die KI-Entwicklung der letzten Monate muss im Unterricht Eingang finden. Lehrer müssen Schüler den Umgang mit ChatGPT beibringen, auf Risiken hinweisen aber auch nicht verteufeln. Und in ganz ferner Zukunft kann es sich auch ergeben, dass angepasst an die Arbeitswelt auch das Abitur mithilfe einer KI angefertigt werden darf, weil es anerkannt ist, dass es um die richtige Nutzung der technischen Möglichkeiten geht. Wie schon seit der Erfindung des Internets heißt es dann „Man muss nicht alles wissen, aber man muss wissen, wie man es findet“.

Kostenlosen Demotermin buchen

Registrieren Sie sich und wir kontaktieren Sie, um einen Demotermin zu vereinbaren.

Ähnliche Beiträge

Feature News: DATEV-Export

  • Christian Dietze
  • 17.11.2025

Feature News: Unlukrative Akten

  • Christian Dietze
  • 08.11.2025