Während die Digitalisierung in Europa voranschreitet, sind die Konsequenzen der digitalen Abhängigkeit bereits zu spüren. Forscher sind sich einig: Europa ist noch weit vom Ziel der digitalen Souveränität entfernt. Dabei ist immer noch unklar, wie groß die Anstrengungen sein müssen, damit die Selbstbestimmung Europas im Rahmen der Digitalisierung verwirklicht werden kann. Die Forderung nach einer digitalen Souveränität ist aber schon präsent.
1. In diesen Dimensionen der Digitalisierung hinkt Europa hinterher
Mithilfe des DDI (Digitaler Dependenz Index) hat eine neue Studie in Deutschland sichtbar gemacht, wie weit Europa eigentlich von der technischen Souveränität entfernt ist. Das Fazit der Studie lautet: „Europa hat die Konsequenzen seiner digitalen Abhängigkeit noch kaum erkannt“ und damit ist schon ein klarer Stand der Dinge gegeben. Die zwei Verantwortlichen für diese Studie sind Yen-Chi Lu und Maximilian Mayer von der Universität Bonn, wobei die Studie von der Konrad-Adenauer-Stiftung unterstützt wurde. Die Forscher haben durch eine eigens entwickelte Kennzahl insgesamt 23 führende Nationen im Digitalisierung-Bereich verglichen. Dabei setzt der DDI drei verschiedene Dimensionen der Digitalisierung in den Vordergrund:
- Den Handel mit den digitalen Dienstleistungen und Gütern,
- die Kommunikations- und Informationsinfrastruktur sowie
- das geistige Eigentum bei den digitalen Technologien.
Die Autoren sind der Meinung, dass Europa vor allem in den ersten zwei Dimensionen nicht so gut rangiert. Insbesondere während der Pandemie wurde die digitale Autonomie in den Vordergrund gebracht, was derzeit für Europa ein weit entfernter Traum ist, so die Autoren. Die Analyse deckt klare Fakten auf: Das technopolitische Ordnungsmodell Europas hat sehr viele kritische und verletzliche Stellen, die besonders durch den Konflikt zwischen China und den USA bedroht sind. Als höchste Priorität wird die Reduzierung dieser Vulnerabilitäten gestellt.
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2. Digitaler Dependenz Index: Europa ist nahe der absoluten Abhängigkeit
Durch den DDI wird festgestellt, wie groß die digitale Abhängigkeit eines Landes ist und wo das Land in Bezug auf die vier Sensitivitätsstufen steht. Mit einem Wert von 0 wird die absolute Unabhängigkeit bezeichnet, während mit dem Wert 1 diejenigen Länder versehen werden, die eine absolute Abhängigkeit aufweisen. Die 23 analysierten Länder haben einen durchschnittlichen Wert von 0,8 verzeichnet, was laut Autoren relativ hoch ist. Somit fallen die meisten Länder in eine Klasse ein, in der digitale Technologien aus dem Ausland dominant sind. Das überrascht wenig, meinen die Autoren, jedoch zeigt sich ein großer Unterschied zwischen den einzelnen Werten der analysierten Länder und Regionen. Die EU-Region steht dabei ziemlich in der Mitte mit einem Wert von 0.82. Auf dem ersten Platz ist die USA mit einem DDI-Wert von 0,47 gelandet, gefolgt von China (0,58) und Korea (0.66). Auf anderen Kontinenten sieht es weniger gut aus. So liegt beispielswiese Brasilien mit einem Wert von 0.92 ganz nahe der absoluten Abhängigkeit. Aus den Forschungsdaten ging auch hervor, dass der DDI-Wert in Europa im Zeitabschnitt von 2010 bis 2019 stabil geblieben ist.
3. Kritik an die digitale Strategie der EU
Die „digitale Dekade“, die durch die EU-Kommission euphorisch ausgerufen wurde, zeigt mittlerweile keine guten Ergebnisse. Der größte Mangel dabei sei die Abwesenheit der strategischen Voraussicht. Die Initiativen, die bisher vorgenommen wurden, sind nämlich unterdimensioniert. Damit steht Europa vor einer großen Herausforderung. Es muss nämlich mehr Geld fordern und dort investieren, wo es zurzeit brennt. Besonders kritisch sind die Bereiche der Infrastruktur und der digitalen Plattformen, so die Autoren. Auch eine breitere Denkweise soll dabei helfen können. Besonders vorteilhaft könnte es sein, digitale Technologien für europäische Firmen zu patentieren. Dieser Schritt könnte in den nächsten Jahren eine entscheidende Rolle für den europäischen Digitalmarkt spielen, da vermutet wird, dass die Patentabhängigkeit in den nächsten Jahren ein großes Wachstum erleben wird.
