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Legal Tech im internationalen Vergleich – ein Statusbericht aus der Schweiz

Laut Global Innovation Index 2021 ist die Schweiz das Land mit der weltweit höchsten Innovationskraft – noch vor Schweden und den USA. Zugleich erteilten vergangenes Jahr 64 % der Bürgerinnen und Bürger in einem Referendum der E-ID eine Absage. Kann unser Nachbarland den ersten Platz des Indexes auch im E-Government und Legal Tech Markt verteidigen oder hinkt das Schweizer Recht in der digitalen Transformation hinterher?

Auf einen Blick

  • Die Heterogenität der Schweizer Rechtsbranche erschwert es, den einheitlichen digitalen Wandel voranzutreiben
  • Lediglich 28% der Anwälte aus kleineren Kanzleien glauben, dass Legal Tech den Rechtsmarkt verändern wird
  • In der Schweizer Lehre nehmen Legal Tech bezogene Inhalte nahezu keinen Platz ein
  • Unterschiedliche Legal Techs lassen trotzdem Grund zur Hoffnung, dass Legal Tech den Schweizer Rechtsmarkt nachhaltig modernisieren kann

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Wie viel Innovation lässt das Schweizer Rechtssystem zu?

Die Rechtsordnung in der Schweiz ist nicht gerade homogen. Mit drei verschiedenen Sprachregionen und 26 unterschiedlichen Kantonen kann die Gesetzeslage durchaus variieren, was zu unterschiedlicher Nachfrage in der juristischen Beratung führt. Dazu kommt, dass der Markt für juristische Dienstleistungen in einem Land mit 8,6 Millionen Einwohnern und einer Anzahl von 13.000 Anwälten allein aufgrund der Größe an seine Grenzen stößt. Nicht zuletzt herrsche in der Schweiz eine gewisse Grundskepsis, was die Anwendung disruptiver Technologien betreffe, erklärt Ioannis Martinis, Head of Legal Tech der Coop Rechtsschutz AG und Vorstandsmitglied der Swiss Legal Tech Association (SLTA), in einem Artikel des Legal Tech Verzeichnis Magazin.

Einer Umfrage der SLTA zufolge sei die Thematik Legal Tech bei Schweizer Anwältinnen und Anwälten (noch) nicht von hoher Priorität. Eine erhebliche Rolle spiele dabei aber auch die Größe der befragten Kanzleien. Die Umfrage ergab, dass 40% der Anwälte aus Großkanzleien der Überzeugung sind Legal Tech verändere nachhaltig den Rechtsmarkt, wohingegen diese Auffassung in kleinen Kanzleien nur von 28% der Befragten vertreten wird. Das liege unter anderem daran, dass die kleineren Kanzleien Angst vor fehlendem technischen Knowhow oder der Implementierung von Legal Tech Software hätten.

Wie innovativ ist die Ausbildung der Schweizer Juristen?

Ein Blick auf das Jus-Studium in der Schweiz zeigt: Die Digitalisierung des Rechts wird lediglich oberflächlich behandelt. Zwar gibt es, ähnlich wie an deutschen Hochschulen, die Möglichkeit, gewisse Kenntnisse per Schlüsselqualifikation zu erwerben. Allerdings spielen Legal Tech Inhalte im Grundstudium nahezu keine Rolle. Das soll sich jedoch ändern, meint der erste Schweizer Professor für Rechtsinformatik und IT-Recht an der Berner Hochschule, Daniel Hürlimann. In einem Interview mit dem ICT-Magazin „Netzwoche“ ordnet der IT-Rechtler aktuelle Legal Tech Entwicklungen in der Schweiz ein und spricht darüber, was einen guten Rechtsinformatiker ausmacht. Außerdem liefert Hürlimann konkrete Beispiele für Digitalisierungs-Bremser in der Praxis. So verließen sich in der Praxis ein Großteil der Richter und Anwälte auf den gut funktionierenden Postverkehr, anstatt den – seit vielen Jahren mögliche – elektronischen Rechtsverkehr zu nutzen. Neuere Projekte sollen aber in Zukunft dafür sorgen, dass Gerichte und Rechtsanwälte verpflichtet werden über das E-Justiz-Portal zu kommunizieren.

Was macht die Schweizer Start-Up Szene?

Die Deepjudge AG ist ein Start-Up, das die semantische Suche und intelligente Bearbeitung von Rechtsdokumenten mithilfe von KI-Technologie bereitstellt. Im Gegensatz zu den meisten Legal Tech Start-Ups sind die Gründer keine Rechts- sondern Computerwissenschaftler. Hierin sehen die vier Gründer einen enormen Vorteil für sich. Zwar arbeitet das Zürcher Unternehmen mittlerweile auch mit Juristen zusammen, die Programmierung der Software konnten die ETH-Doktoranden jedoch selbständig übernehmen und den Prozess der Softwareentwicklung jederzeit nachvollziehen. Der Algorithmus ist so programmiert, dass er Rechtsdokumente analysiert und mit einer Datenbank an Gesetzestexten, Urteilen und Verträgen vergleicht. Ein Beispiel: Gibt man der KI einen Auszug aus einem Gerichtsurteil, bei dem das Unternehmen Apple die gleichnamige Wortmarke schützen möchte, zeigt die KI umgehend gleich gelagerte Fälle, in denen beispielsweise die Wortmarken „Post“ oder „Boss“ geschützt werden sollten. Vergleichbare Recherchearbeit erfolgte bisher durch einen (menschlichen) Anwalt.

Mittlerweile hat sich das Start-Up auch außerhalb der Schweiz einen Namen gemacht. Gründerin Paulina Grnarova konnte sich im vergangenen Jahr zu der renommierten „30 under 30″ Liste des Forbes Magazins zählen, in der herausragende junge Unternehmerinnen und Unternehmer ausgezeichnet werden. Das nächste Ziel des jungen Unternehmens ist es, auf den deutschen Markt zu expandieren.

 

Das, ebenfalls in Zürich ansässige Start-Up, Jurata, hat sich auf den nutzerfreundlichen online-Zugang zu Rechtsdienstleistungen von Privatpersonen und kleinen sowie mittelständischen Unternehmen (KMU) spezialisiert. Jurata bietet eine online-Plattform, auf der jeder Nutzer den passenden Anwalt finden kann. Durch erhöhte Transparenz ,feste Preise und Kundenfreundlichkeit sollen insbesondere Mandanten davon profitieren und nicht bereits zahlungskräftig werden, bevor sie überhaupt den passenden Anwalt gefunden haben. So bietet das Start-Up beispielsweise Pakete zum Fixpreis, die die Gründung einer GmBH oder eine Markeneintragung von Anfang bis Ende begleiten. Auch für Kanzleien, die die zielgenaue Fallbearbeitung als Akquise-Beschleuniger für sich nutzen können stellt die Plattform eine Bereicherung dar. Mittlerweile sind knapp 1200 Anwälte, sprich 10 % der Schweizer Anwaltschaft auf der Online-Plattform vertreten und beraten KMU am häufigsten im Vertrags-, Arbeits- und Gesellschaftsrecht. Daneben können Privatpersonen auch im Straf-, Erb-, oder Scheidungsrecht Rechtsberatung erlangen.

Fazit

Eins steht fest: Die Schweiz führt den Global Innovation Index nicht aufgrund der Digitalisierung der Rechtsbranche an. Schweizer Anwälte und Gerichte nehmen eher eine konservative, anstatt eine aufgeschlossene Grundhaltung disruptiven Technologien gegenüber ein. Ein Aufwärtstrend lässt sich jedoch bei den größeren Kanzleien feststellen. Hier glauben mehr Anwälte an den effektiven Einsatz von modernen Legal Tech Tools und benutzen dementsprechend bereits solche. Daneben kann sich auch die Schweizer Legal Tech Start-Up Szene sehen lassen. Neben den beiden vorgestellten Legal Techs listet die SLTA über 300 Unternehmen in 27 verschiedenen Kategorien. Die Start-Ups bieten vielfältige Dienstleistungen an, die einerseits Verbrauchern besseren Rechtsschutz gewähren und andererseits Kanzleien mithilfe innovativer Technologien modernisieren. Es bleibt somit Aufgabe der Legal Techs, zu zeigen, dass ihre qualifizierten Serviceleistungen den Schweizer Rechtsmarkt optimieren und nicht destruieren.

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