Wenn man Menschen in Deutschland fragen würde, ob sie für oder gegen eine Digitalisierung im Rechtsbereich und damit kürzeren Bearbeitungszeiten sind, dann dürfte das Ergebnis wohl eindeutig sein. Doch wenn man Menschen nach ihrer Meinung zu Legal Tech fragen würde, wüssten wohl die allermeisten gar nicht so recht, was das sein soll. Wie kann es sein, dass ein Thema von so großer Bedeutung nicht wirklich in der Gesellschaft bekannt ist?

1. „Bubble“
Zunächsteinmal ist natürlich klar, dass die breite Öffentlichkeit ohnehin von vielen Themen im Rechtsbereich wenig bis keine Ahnung hat. Und das ist ja auch in vielen anderen Bereichen so – es bilden sich gewisse Bubbles, also Gruppen von Menschen, die sich mit einem bestimmten Thema auseinander setzen, was sonst vielen (zumindest in dieser Intensivität) unbekannt ist. Und eben so gibt es natürlich auch eine Legal-Tech-Bubble. Diese wächst stetig und besteht gerade nicht nur aus Tech-Nerds und Studenten, sondern findet in der Rechtsbranche großen Anklang in allen Formen und Größen von Kanzleien und bei Anwälten jeglicher Stufe und jeglichen Alters. Erklärt wird diese sehr heterogene Bubble damit, dass dies einbekanntes Phänomen ist bei vorteilsbringenden Neuheiten. Wer einmal ausprobiert hat, sei es gezwungener Maßen oder aus Neugier – der ist begeistert und möchte mehr erfahren. So ergibt sich eine breit gestreute Bubble.
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2. Bekanntheit in der Öffentlichkeit
Doch wie kommt e dann, dass zwar die Bubble rasant wächst und dass „across the board“, aber dennoch die meisten außerhalb von Jura – aber sogar auch teilweise unter Juristen – nichts wirklich mit dem Thema anfangen können? Wenn Legal Tech doch so viele Vorteile bietet, wieso reden dann nicht alle davon oder weshalb springen die Medien nicht darauf an?
Die Antwort hierauf ist eine versteckte: Legal Tech ist versteckt. Nun fragen Sie sich vielleicht, wie eine Kanzleisoftware versteckt sein kann, mit der man jeden Tag arbeitet. Doch entscheidend ist, dass Juristen täglich damit arbeiten, jedoch die Mandanten oder gar die restliche Bevölkerung Legal Tech niemals zu sehen bekommt. Legal Tech sind ja schließlich gerade die digitalen Prozesse im Hintergrund der Kanzlei. Sozusagen der E-Motor der Kanzlei. Nun lässt sich auf den ersten Blick bei einem Auto auch nicht feststellen, ob es nun einen Verbrennermotor hat oder elektrisch fährt. Der Fahrer selber bemerkt natürlich die höhere Beschleunigung etc. und Außenstehende können auch bemerken, dass das Auto deutlich leiser ist.


3. Güter-Ketten
Dieses Phänomen ist bekannt, es kommt vor allem bei Verarbeitungsketten vor. Das elektronische Gerät, mit dem man diesen Artikel lesen kann, besteht aus unzähligen Teilen, die aus unterschiedlichsten Orten der Erde stammen. Auch der Zusammensetzungsprozess findet nicht in einer Fabrik statt sondern es sind zahlreiche verschiedenster Unternehmen beteiligt, bevor es schließlich unter einem ganz anderen Firmen-Namen verkauft wird. Ob nun die Fabrik in einem anderen Land, die einen Teilbereich des Prozessors herstellt, nun Roboter einsetzt und digitale Workflows einführt – das bemerkt zunächst der Hersteller. Er wird in weniger Zeit mehr Prozessoren herstellen können. Die Prozessoptimierung kommt dann auch beim Verkäufer an, dem mehr Ware zur Verfügung steht zu einem billigeren Preis. Und schließlich – und zwar mit Abstand als letztes – kommt der Effekt auch beim Kunden an, der nach einiger Zeit für das gleiche Gerät weniger zahlen muss.
4. Dienstleistungs-Ketten
Es sind einige Parallelen zur Anwaltstätigkeit offensichtlich. Legal Tech bzw. Kanzleisoftware erspart Zeit und dadurch insgesamt Kosten. Das bemerkt zunächst der nutzende Anwalt, dann die anwendende Kanzlei. Nach einiger Zeit kommen jedoch auch Mandanten darauf und fordern von nun an, dass die Kanzlei zur Erledigung der Arbeit Prozesse durch Legal Tech optimiert. Weshalb sollte schließlich auch die Fabrik wieder auf nicht-optimierte Prozesse umstellen? Selbstverständlich sind Kunden nur bereit, einen angemessenen Preis zu zahlen. Wenn sie für das gleiche Ergebnis auch weniger zahlen können, werden sie abwandern. Der entscheidende Punkt ist, dass sich die Digitalisierung gerade bei diesem Schritt befindet: Auf Mandantenseite wird immer mehr deutlich, dass es zu den Qualitäten einer Kanzlei gehören soll, dass sie durch digitale Workflows Zeit spart. Und je mehr dies weiter bekannt wird, desto mehr bekommt davon auch die breite Öffentlichkeit mit. Heutzutage hat wohl jeder mal eine automatisierte Fabrik in den Medien gesehen – sie sind mittlerweile Normalität. Und genau das zeichnet sich auch bei Kanzleisoftware und sonstigem Legal Tech als die nächsten Schritte ab. Der hohe Konkurrenzdruck führt schlussendlich dazu, dass jede Kanzlei um das Thema nicht mehr ehrumkommt und die Effekte dessen wird auch die Öffentlichkeit schließlich wahrnehmen.