Rechtsberatung aus dem App-Store? Die Großkanzlei Reed Smith bietet kostenlos eine App an, mit der sich die Kosten eines Schiedsgerichts einschätzen lassen. Wie sich das für Reed Smith rechnet, was es für Verbraucher und für die Entwicklung des Rechtsmarkts bedeutet und wie auch Anwälte anderer Kanzleien hiervon profitieren können lesen Sie hier:
1. Candy-Crush & Recht an einem Ort
Es klingt verrückt: Statt einem Handy-Spiel, könnten sich Ihre Kinder nun im Apple-Store oder Google-Store eine Rechtsberatung herunterladen. Kein Candy-Crush oder Pokemon-Go sondern der „APC“ – der Arbitratian Price Calculator oder Schiedsgerichts-Kostenrechner.
Besonders: Diese Dienstleistung wird kostenlos zur Verfügung gestellt für potentiell Milliarden Menschen auf der ganzen Welt. Das eröffnet Dimensionen der Rechtsberatung, die bisher unvorstellbar waren. Schauen Sie sich in der nächsten Zugfahrt mal um – vielleicht nutzt jemand gerde das gratis WLAN der Deutschen Bahn, um sich schnell seine voraussichtlichen Kosten des Schiedsverfahrens berechnen zu lassen und zwar mit intuitiver und simpler Bedienung aber dennoch zahlreichen Möglichkeiten zur exakten Bestimmung, welches Verfahren genau mit welchen Faktoren berechnet werden soll!

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2. Entgangenes Geld oder geniale Einnahmequelle?
Nun stellt sich manchen vielleicht als erstes die Frage: „Kostenlos?! Da ist doch sicher irgendein Haken!“
Doch im Gegensatz zu Apps, die man neben dem APC finden könnte, steht bei ihm nicht kleingedruckt dabei „In-App-Käufe möglich“ oder „Premium-Abo nötig“. Er ist tatsächlich von vorne bis hinten kostenlos zu bedienen und spuckt das gewünschte Ergebnis aus, ohne einen Cent zu fordern. Die einzige Gegenleistung ist der Download der App.
Und hierin liegt der entscheidende Gedanke der Strategie: Eine solche Berechnung erfolgt anhand öffentlich zugänglicher Daten. Die eigentliche Arbeit des Anwalts ist das Heraussuchen der entsprechenden Regelungen und Kosten. Dies wäre ein überschaubarer Aufwand und demnach Preis. Doch auch diesen geringen Preis fordert Reed Smith nicht – sondern baut ein positives Verhältnis zu potentiellen Klienten auf, wird bekannt und sichert sich mit jedem Download eine neue Verbindung zu Klienten. Sobald diese andere Fragen haben, kennen sie schon Reed Smith und suchen daher wahrscheinlicher diese auf – gerade mit dem Gedanken im Hinterkopf, wie toll und dennoch kostenlos ihre App war.
3. Zeitersparnis
Hinzu kommt, dass die entsprechende Berechnung wie oben geschrieben auf öffentlich zugänglich Daten erfolgt. Diese ändern sich ggf. von Zeit zu Zeit und doch ist es stehts das gleiche Schema der Berechnung. Eine solche Tätigkeit schreit fast geradezu nach Automatisierung. Nun können die entsprechenden Felder ausgefüllt werden und anhand einmalig eingegebener Regelungen wird das Ergebnis berechnet.
Selbst ohne dies als App direkt an den Kunden zu vermarkten ist dies clever, weil die eigenen Anwälte der Kanzlei so die repetitive Arbeit – also Zeit – sparen können. Das gilt selbstverständlich auch für Anwälte anderer Kanzleien, die sich nun wie jeder Laie den Rechner herunterladen können. Hier kann man sich natürlich fragen, ob sich Reed Smith nicht erneut ins eigene Knie schießt. Anderen Kanzleien kostenlos einen automatischen Workflow samt Software zur Verfügung stellen? Das ist im Legal-Tech-Markt neu und es bleibt abzuwarten, inwiefern andere Anwälte diese Möglichkeit tatsächlich nutzen und vor allem, ob aber nicht vielleicht die Klienten von sich aus schon weniger Kanzleien anfragen, sondern genügend viele von der kostenlosen App wissen, sodass andere Kanzleien doch nicht von dem Rechner profitieren können.


4. Blick in die Zukunft
Was bedeutet diese Entwicklung nun für Legal Tech bzw. den gesamten Rechtsmarkt? Es ist tatsächlich ein großer und bedeutender Schritt: Man stelle sich vor, dass ein Klient vor 60 Jahren in der Zeitung, vor 30 Jahren auf rudimentären Websites, vor 5 Jahren auf Portalen und in sozialen Netzwerken und heute einfach im App-Store sich nach einer Rechtsberatung umsieht.
Selbst die Einbindung von einfache Type-Form-Formularen auf Kanzlei-Websites hat eine völlig neue Vermarktung von juristischer Arbeit als skalierbares Massenprodukt zum Verkauf, statt als Dienstleistung in die Wege geleitet. Doch neben Candy-Crush mit einem Click aus dem Store heruntergeladen zu werden bedeutet eine vollkommen andere Erreichbarkeit von Kanzleien an so gut wie jeden. Es wird spannend sein, wer hier wie schnell einen Vorreiter-Platz einnehmen wird und ob wir durch diesen Wechsel nicht sogar einen kleinen Umbruch innerhalb des Legal-Tech-Bereichs erleben werden. Nun wird die Software nicht mehr nur für die eigene Kanzlei und somit indirekt für den Klienten gebaut sondern sie wird gezielt und direkt als App (!) an die Klienten selber vermarktet. Ein wirklich großes und spannendes Novum!