In einer groß angelegten Umfrage hat der deutsche Anwaltsverein über 300 Kanzleien zur Zukunft des Juristen-Berufs befragt (Umfrage hier). Besonderes Augenmerk lag hierbei auf der Digitalisierung bzw. dem Thema Legal Tech. Überraschende Einigkeit gab es, indem jede befragte Kanzlei das Thema als „unausweichlich“ und gleichzeitig aber auch als positiv betrachtet hat. Hier die wichtigsten Ergebnisse der Umfrage:

1. Ein altbekanntes Thema nur in Großkanzleien?
Dass Legal Tech oft das Bild hat, nur etwas für die „big player“ des Rechtsmarkts ist kommt daher, dass die Entwicklung von Legal-Tech-Tools gerade in der Anfangszeit mit großen Kosten verbunden ist. Wenn man vor einigen Jahren Legal Tech in einem einigermaßen großen Stil betreiben wollte, musste dafür ein Team zusammengestellt werden, Anwälte extra abbestellt und Geld für Hard- und Software aufgewendet werden. Kein Wunder also, dass es stets Großkanzleien waren, die Investitionen in eigene Software betrieben haben und etwa Dokumentenautomation erstellten. Jede von ihnen hat mittlerweile einen eignen „Hub“ oder ein „Lab“ mit hohen Investitionen an Geld und Personal.
2. Ein Thema für alle!
Die Studie zeigt nun, dass sich diese Einstellung von Großkanzleien keineswegs geändert hat – auch heute ist es ein sehr großes Thema, wohl sogar größer denn je – doch die entscheidende Entwicklung ist beim Rest der Rechtsbranche geschehen: Es ist heute eben nicht mehr so, dass Legal Tech ein Thema für Großkanzleien ist, sondern mittelständische und kleine Kanzleien holen auf und erkennen, dass Legal Tech auf jedem Stand Vorteile bringen kann. So kommt es, dass in der aktuellen Studie ebenen-übergreifend jede einzelne der über 300 befragten Kanzleien unabhängig von der Größe oder dem Entwicklungsstatus Legal Tech als wichtigen Bestandteil der Kanzlei ansehen.

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3. Bedeutung für Bewerber
Dadurch, dass eine Digitalisierung in welchem Maßstab auch immer nun unumgänglich auf jedem Level zu finden ist, ändert sich auch das Einstellungsprofil des weit überwiegenden Teils der befragten Kanzleien. Staatsexamen und Vorerfahrung werden nun etwas wie Technikaffinität oder gar Kenntnisse in Legal Tech vorausgesetzt. Keineswegs werden Programmierfähigkeit oder ähnlich spezifisches erwartet. Eine ablehnende Haltung gegenüber digitaler Arbeitsweise ist jedoch sehr viel mehr ein negativer Punkt auch bei kleinen Kanzleien als noch vor einigen Jahren. Grund ist, dass zur Digitalisierung der Kanzlei vor allem auch die eigene Einstellung der Mitarbeiter entscheidend ist. Mit einem offenen Auge die Arbeitsprozesse auf ihre Optimierbarkeit zu überprüfen erfordert keine gelernten IT-Kenntnisse, sondern höchstens ein grundlegendes Verständnis und aber eben besonders eine gewisse Affinität.
4. Blick in die Zukunft
Eine große Überraschung ergab sich wie bereits zu Beginn erwähnt bei der Einschätzung von Legal Tech in der Zukunft. Oftmals herrscht hier die deutlichste Uneinigkeit – ist Legal Tech doch noch ein Hype? Oder werden Juristen nun doch ersetzt? Schließlich erledigt sich die gleiche Arbeit mit Hilfe von digitaler Arbeit und einer Kanzleisoftware deutlich schneller. Doch genau das wird laut mehreren Befragten Rechtsanwälten auch klar so von der Mandantenseite gefordert. Sie seien nicht mehr bereit dafür, für repetitive Arbeit Stunden eines Anwalts zu bezahlen, wenn die Konkurrenz diese Arbeit mithilfe von Legal Tech automatisiert und schnell erledigt. Es wird eine Verschiebung der Erwartungen bezüglich Zeit und Arbeitsleistung für gleiches Geld geben. Und eben spätestens dadurch halten alle befragten Kanzleien Legal Tech als unausweichlich in jedem Bereich.

5. Ist das denn gut?
Zunächst klingt das so, als würden Anwälte für mehr Arbeit nun genauso viel bezahlt werden. Sie müssen mehr Fälle in gleicher Zeit erledigen, um konkurrenzfähig zu bleiben. Beides klingt erstmal unschön für eine Kanzlei.
Erstaunlicherweise gehen doch alle Kanzleien der Studie davon aus, dass es sich bei Legal Tech um einen Vorteil und eine positive Entwicklung geht. Es sei schlicht ein Unding, wenn heutzutage Anwaltskosten für Arbeit abgerechnet würden für Arbeit, die auch eine Software übernehmen kann. Auch die generelle Digitalisierung der Justiz sei dringend nötig mit Blick auf die schnellere Bearbeitungszeit von Fällen.
Eine große Mehrheit der Befragten gibt auch zu, dass sie vor einigen Jahren noch selber ein negatives Bild von dem Einsatz von Legal Tech in der eigenen Kanzlei hatte – nun jedoch, nach dem Einsatz von Anwaltssoftware und der gesteigerten Produktivität oder aber gar der Automation bestimmter Arbeitsschritte, ein ins Positives veränderte Bild von Legal Tech hätten.
