Das Amtsgericht Frankfurt ist mit über 1000 Bediensteten das größte Gericht in Hessen. Trotz der hohen Anzahl an Mitarbeitern sorgen jährlich zwischen 10.000 und 15.000 Fälle im Fluggastrecht dafür, dass Richterinnen und Richter täglich an ihre Belastungsgrenzen kommen. Die Software „Frauke“ soll in Zukunft dazu verhelfen, dass Klagewellen besser bewältigt werden können.
Auf einen Blick
- Die, auf Künstlicher Intelligenz (KI) basierende Software Frauke soll Richterinnen und Richter am Frankfurter Amtsgericht bei der Urteilsfällung unterstützen.
- Die Software trifft selbst keine Entscheidungen, sondern fungiert als eine Art „Richterassistenz“.
- Eingesetzt wird die KI-Technologie zunächst im Fluggastrecht, da sich derartige Massenverfahren besonders gut für die Nutzung der Software eignen.
- Obwohl das Pilotprojekt noch in der Testphase ist, ist die Resonanz der Nutzenden bereits äußerst positiv.
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Welche Rolle nimmt die Software ein?
Frauke, also „Frankfurter Urteils-Konfigurator Elektronisch“ ist eine Software, die das Amtsgericht Frankfurt in Kooperation mit der Hessischen Zentrale für Datenverarbeitung und dem IT-Unternehmen IBM entwickelt hat. Zur Programmierung der, auf Künstlicher Intelligenz (KI) basierenden Software, wurden Daten, wie Flugzeiten, Wetterlagen oder Bordkarten in Kombination mit Urteilen der Gerichte zugrunde gelegt. Auf Grundlage der Datenbasis soll die KI erkennen, welche Tatsachen zu welchen Entscheidungen der Vergangenheit geführt haben. Gleichwohl betonte Amtsgerichts-Präsidentin Susanne Wetzel, die KI werde zu keinem „Urteils-Roboter“, sondern nehme die Funktion einer Richterassistenz ein. Damit liegt die alleinige Entscheidungsgewalt nach wie vor bei menschlichen Richtern und nicht bei der Software.
Fluggastrecht als Pilotprojekt
Das Frankfurter Amtsgericht verspricht sich viel von der Verwendung der KI-Software, dessen Einsatz ein Novum in der deutschen Gerichtsbarkeit darstellt. Das Pilotprojekt entstand unter anderem deswegen, weil sich das Fluggastrecht besonders für den Einsatz von KI-Technologie eignet. Bei Flugausfällen oder -verspätungen gibt es in der Regel eine Vielzahl an gleichgelagerten Sachverhalten, die sich lediglich in Namen und Datum unterscheiden. Durch die Assistenz der KI können die Richterinnen und Richter einsehen, welche Urteilserwägungen Kolleginnen und Kollegen in ähnlichen Fällen zurate gezogen haben und dadurch für einen einheitlicheren Entscheidungsrahmen sorgen.
Wie geht es mit Frauke weiter?
Das Projekt Frauke steht derzeit noch in den Startlöchern. In einem nächsten Schritt muss sich die Software zunächst in einer Machbarkeitsstudie behaupten, bevor sie vom hessischen Justizministerium für den Echtbetrieb zugelassen wird. Vizepräsident Richter hält es darüber hinaus für möglich, dass die KI in Zukunft ebenso Massenverfahren in anderen Rechtsgebieten unterstützend begleiten wird.
„Die Kolleginnen und Kollegen, die daran gearbeitet haben, fanden es fantastisch.“
Frank Richter, Vizepräsident des Amtsgerichts Frankfurt
